Als Unternehmer, Chef oder Führungskraft hat man einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Gesundheit seiner Beschäftigten. Tatsache ist, dass insbesondere die Belohnung eine bedeutsame psychosoziale Gesundheitsressource darstellt. Wer Belohnung als ein Nice-to-have abtut, irrt sich gewaltig. So belegen zahlreiche Studien, dass ein Missverhältnis zwischen hoher Verausgabung am Arbeitsplatz und niedriger Belohnung das Risiko einer koronaren Herzerkrankung deutlich erhöht. Mit anderen Worten: Wer viel leistet und den Eindruck hat, dass zu wenig dabei herauskommt, ist auf Dauer gesehen stärker gefährdet, herzkrank zu werden – angefangen von Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz bis hin zum Herzinfarkt. Dabei hat die Verausgabung nicht nur mit äußeren Anforderungen zu tun, sondern auch mit der eigenen Bereitschaft und den subjektiven Ansprüchen.
Erstmals hat diesen Zusammenhang der renommierte Medizinsoziologe Johannes Siegrist in seinem Modell der beruflichen „Gratifikationskrise“ aufgestellt. Das zentrale Ergebnis seiner Forschung ist: Eine gute Balance zwischen Leistung und Belohnung stärkt die Gesundheit der Beschäftigten und senkt das Risiko stressassoziierter Erkrankungen. Dabei ist „Belohnung“ vielfältig zu verstehen. Dazu gehören nicht nur Lohn und Gehalt, sondern auch Anerkennung und Wertschätzung, sowie Aufstiegsmöglichkeiten und Arbeitsplatzsicherheit.
Was heißt das nun konkret für die Praxis?
Jeder Unternehmer, Chef oder Führungskraft sollte sich überlegen, wie er Anerkennung und Wertschätzung gegenüber seinen Mitarbeitern ehrlich zum Ausdruck bringen kann. Der Satz „Ned g’schimpft is genug g’lobt“, wie es auf gut bayrisch heißt, ist nicht gesundheitsförderlich. Besser ist, bereits gute Arbeit, ohne die das Alltagsgeschäft nicht laufen würde, zu würdigen, und hervorragende Arbeit zu loben. Lob sollte konkret auf die Sache bezogen sein und nicht inflationär gebraucht werden. Belohnt werden kann zum Beispiel in Form von Weiterbildung, Karten für Events, günstige Einkaufskonditionen, Bonus oder Beförderung. Entscheidend ist hier, dass sich der einzelne Mitarbeiter wirklich darüber freut. Wenn man einem Sportmuffel vergünstigte Konditionen für ein Fitness-Center oder die Teilnahme an einer Rafting-Tour anbietet, geht der Belohnungseffekt vermutlich gegen null. Zudem ist ein ganz grundlegender Ausdruck von Wertschätzung und Anerkennung, dass man den Anderen als Person mit seinen Stärken und Schwächen, mit seinen Wünschen, Zielen und Vorstellungen wahrnimmt. Dies kostet nicht einmal etwas – genauso wie zuhören. Es erfordert „nur“ Aufmerksamkeit, was in der Hektik des Alltags allerdings häufig leichter gesagt, als getan ist. Nicht zuletzt sollte der tägliche Umgang miteinander von Respekt, Takt und Höflichkeit getragen sein.
Fazit: Ein faires Gleichgewicht zwischen Leistung und Belohnung wirkt sich nachweislich günstig auf die Gesundheit und Motivation der Beschäftigten aus. Das, was als Belohnung empfunden wird, ist individuell verschieden.

(auch auf der Homepage von mib – Mittelstand in Bayern veröffentlicht)